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Embryo im Briefkasten - Aufklärung oder Schock?

Katholischer Verein "Durchblick e.V." verteilt Plastikembryonen um auf "Kindstötung" durch Abtreibung aufmerksam zu machen.

Vor einiger Zeit lag eine Versandtasche in meinem Briefkasten. Darin befand sich ein Plastikmodell welches laut beiliegendem Heft einen 10 Wochen alten Embryo darstellen sollte. In dem Heft stehen Worte wie "Kindstötung", "Tötung" u.ä.

Ein Schock für mich, die bereits Fehlgeburten zwischen der 9. und 10. Woche hatte. Daß ich nun sozusagen das Abbild meiner verstorbenen Kinder in den Händen hielt, war für mich wie ein Tritt in die Magengrube.

 

Ich habe noch nie eine Abtreibung vorgenommen, da ich es vermutlich nicht übers Herz bringen würde. Ich besitze aber durchaus den Durchblick zu wissen, daß dies nicht allen Frauen möglich ist. Manche werden vergewaltigt und werden danach schwanger. Sie würden ihr Kind hassen, so daß ich es durchaus verständlich und nachvollziehbar finde, wenn man ein solches Kind nicht bekommen möchte. Manche Frauen wollen einfach keine Kinder, können mit ihnen nichts anfangen und würden ihr Kind dafür hassen, daß sie es bekommen müssen, ob sie wollen oder nicht. Manche Frauen sind krank, bei manchen Kindern ist auch schon von vornherein klar, daß sie schwerkrank werden würden. So gibt es sehr viele Gründe die eine Abtreibung durchaus sinnvoll machen. Ich kenne Menschen, die aus ungewollten Schwangerschaften entstanden sind und Zeit ihres Lebens von ihren Eltern gehaßt und dementsprechend behandelt wurden. Diese Menschen haben noch als Erwachsene schwerwiegende psychische Probleme und neigen zu Selbstmordversuchen. So etwas zu verhindern, finde ich also absolut richtig und sinnvoll.

Der Vorsitzende des Vereins "Durchblick e.V." Thomas Schührer, scheint da nicht nur anderer Meinung zu sein, sondern seine Meinung auch noch auf eine äußerst fragwürdige Art kundzutun, nämlich mittels seiner sogenannten „Embryonenoffensive“. Er glaubt, daß Frauen die abgetrieben haben, nicht wissen, daß nach 10 Wochen bereits kein "Zellhaufen" mehr, sondern ein durchaus erkennbarer Embryo vorhanden war. Ich bin mir sicher, diese Frauen haben sich sehr gut darüber informiert bzw. wurden informiert –da dies auch gesetzlich vorgeschrieben ist- und sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht.

Eine der Aussagen des Vereins: "Abtreibung ist kein Frauenrecht, sondern die Tötung eines Kindes. Viele Frauen leiden an den Folgen einer Abtreibung."

Ich widerspreche vehement, denn der Körper einer Frau und alles was "darin" ist, ist das alleinige Eigentum einer Frau, so ist es auch ihr alleiniges Recht, darüber zu entscheiden! Im übrigen ist es widersprüchlich, wenn dem Verein doch schon bekannt ist, daß Frauen darunter leiden können, ihnen dann solche Post in den Briefkasten zu stecken um ihr Leid noch zu vergrößern!

Die Idee für solche Maßnahmen dürfte Herr Schührer aus Amerika haben, denn dort werden bereits seit längerem solche Plastikembryos mit den entsprechenden Vorwürfen von fanatischen Abtreibungsgegnern vertrieben.

Es fällt mir nicht schwer, nachzuvollziehen, warum es dem Katholiken Schührer so wichtig ist, die Geburtenrate zu erhöhen. Bedeutet doch jedes geborene Kind ein potentielles Kirchenmitglied (incl. Kirchensteuern). Im II. vatikanischen Konzil, dessen Lehren zu verbreiten Herr Schührer sich zum Ziel gemacht hat, heißt es nämlich unter anderem, daß die Kinder die Zukunft der Kirche sind. Dort heißt es auch: "Gott, der Herr des Lebens, hat nämlich den Menschen die hohe Aufgabe der Erhaltung des Lebens übertragen, die auf eine menschenwürdige Weise erfüllt werden muß. Das Leben ist daher von der Empfängnis an mit höchster Sorgfalt zu schützen. Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuenswürdige Verbrechen."

Ebenfalls ein Widerspruch in sich, denn wenn "die Erhaltung des Lebens auf eine menschwürdige Weise erfüllt werden muß" kann dies wohl kaum bedeuten, Frauen in ihrer Würde anzugreifen, indem man sie als Mörderinnen darstellt.

Auch Pro Familia ist mit den Methoden dieses Vereines absolut nicht einverstanden. Sie finden - genau wie ich - daß man die 50 Cent die so ein Plastikembryo kostet, durchaus sinnvoller verwenden könnte, indem man z.B. Frauen in solchen Notlagen damit unterstützt.

"Durchblick e.V." hat sich zum Ziel gemacht, solche Briefe an jeden deutschen Haushalt zu verteilen. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf 20 Millionen Euro! Diese finanzieren sich lediglich durch Spenden. Daher ist es dem "Durchblick e.V." auch nicht möglich, alle deutschen Haushalte gleichzeitig mit ihrer „Embryonenoffensive“ anzugreifen. Sie müssen erst noch genügend weitere verblendete Menschen finden, die für ihren Zweck spenden.

Verteilt werden diese Briefe übrigens durch freiwillige Helfer.

Dies ist aber nicht die einzige Aktion des katholischen Vereins, hinter dem übrigens immerhin nicht alle Katholiken stehen. Auf gemieteten Äckern stellten sie schon des öfteren 1000 Kreuze auf, die für die angeblichen 1000 Abtreibungen pro Tag stehen. Daß diese Zahlen nicht stimmen ist zwar belegt, interessiert "Durchblick e.V." aber herzlich wenig. In Villingen machten es ein paar "unbekannte" richtig: Sie zerstörten das 1000-Kreuze-Feld.

Der dazu interviewte Bischof Walter Mixa aus Eichsstätt sagte dazu folgendes: "Die Reaktion in Villingen gegen die Aktion der "1.000 Kreuze" lehne ich unmißverständlich ab und bedauere sehr, daß viele unserer Bundesbürger für den höchsten Wert im Menschsein, nämlich für den uneingeschränkten Schutz der Personwürde des Menschen nicht mit der gebührenden Festigkeit und Eindeutigkeit eintreten. Es geht um den Schutz und den Respekt vor jedem menschlichen Dasein, ob geboren oder ungeboren!"

An diese Aussage sollten sich Herr und Frau Schührer incl. ihres Vereines einmal selbst halten!

Auf die diversen Vorwürfe von Caritas, Pro Familia und einigen Politikern zeigte Thomas Schührer übrigens Unverständis "Wenn sich tatsächlich jemand durch unsere anschaulichen Informationen über die embryologische Entwicklung des Menschen unter Druck gesetzt fühlt, so ist dies zu bedauern. Und ich möchte hinzufügen, ein Mensch, der sich durch bloße Konfrontation mit der Wirklichkeit unter Druck gesetzt fühlt, besitzt mein Mitgefühl. Aus einem solchen Umstand jedoch den Vorwurf zu konstruieren, wir wollten mit der Embryonenoffensive einen solchen Druck ausüben und würden psychische Gewalt anwenden, ist ebenso falsch wie ehrverletzend."

Wie es scheint, fehlt dem „Durchblick e.V.“ hier einiges an Durchblick!